Tausendsassa Rochus und die Fernwartung
Wenn man einen Betrieb wie das Heimeli führt, ist man immer wieder auf viel Unterstützung von aussen angewiesen. Ideal wäre es, man hätte selbst eine Ausbildung als Sanitär, Heizungsmonteur, Schreiner, Spengler, Elektriker und ganz sicher auch als Informatiker. Im nächsten Leben werde ich, vor der Übernahme des Heimelis, ganz viele Lehren absolvieren … aber halt: Das ist eigentlich gar nicht nötig, denn wir haben all diese Menschen ganz nah bei uns.
Am nächsten ist wohl Rochus, ein richtiger Tausendsassa und der Mensch, bei dem ich das Gefühl habe, seine Arbeitstage hätten 48 Stunden. Denn er ist immer da, immer überall, immer erreichbar und scheinbar gleichzeitig an mehreren Orten, als hätte er mindestens einen Klon. Es gab schon Tage, da traf ich ihn in Arosa auf dem Eisfeld, im Skigebiet, bei Arosa Tourismus und kurz darauf wieder in Langwies beim Feuerwehrdepot oder am Bahnhof. Wie kommt er nur so schnell von A nach B? Nun gut, mit Drohnen kennt er sich natürlich ebenfalls aus, und mit Drohnen ist ja vieles möglich, man kann mit ihnen wohl auch so etwas ähnliches wie Apparieren. Doch halt, wir sind ja nicht in der magischen Welt von Harry Potter. Und, auf jeden Fall, scheint es immer derselbe Rochus zu sein.
Die meisten unserer Mitarbeitenden kennen Rochus gar nicht, oder würden ihn zumindest nicht erkennen. Er zeigt sich kaum einmal im Heimeli. Muss er auch nicht. Er ist Rochus, der Fernwart. Doch unsere Mitarbeitenden merken sehr schnell: Ohne Rochus funktioniert vieles nicht. Oder besser gesagt: Man kann Rochus schreiben, und er sorgt dafür, dass das, was nicht mehr funktioniert, wieder funktioniert. Keine Ahnung wie. Es ist wie von Zauberhand, eben doch fast wie bei Harry Potter.
Er kann irgendwo oben am Weisshorn sein und dort auch bleiben, vermutlich sein Handy hervor nehmen, ein paar Tasten drücken und schon funktioniert unsere Webcam wieder. Manchmal kommt es allerdings vor, dass Rochus auch tatsächlich auftauchen muss. Zum Beispiel kann er TV-Geräte noch nicht in unsere Personalwohnungen beamen, noch nicht jedenfalls, aber wer weiss, vielleicht eines Tages. Und natürlich kann er nur das steuern, was auch am Netz hängt. Den Stecker des Fernsehers aus der Ferne in die Steckdose zu befördern, das kann er (noch) nicht.
Wenn man plötzlich wieder telefonieren kann oder all dieses Zeug mit Kabeln endlich korrekt an einem Netz hängt, dann war Rochus am Werk. So kommt es vor, dass plötzlich ein unbekanntes Gesicht auftaucht. Die meisten unserer Mitarbeitenden haben keine Ahnung, wer das sein könnte, aber sie merken sofort: Rochus ist jemand, auf den wir nicht verzichten möchten und auch nicht können.
Es kam auch schon vor, dass unser Kreditkartengerät nicht funktionierte, obwohl es korrekt angeschlossen und mit dem Netz verbunden war. Auch da war Rochus irgendwo und hat irgendwie am Netz gebastelt; mit anderen Worten: Er schraubt oder drückt irgendwo, irgendwie am Internet herum, und schwupps können die Gäste wieder bezahlen. Nicht ganz unwichtig für uns.
Was aber fast noch wichtiger ist: das Gefühl, dass da jemand ist, der ganz viel im Griff hat, von dem wir eigentlich keine Ahnung haben. Und wenn wir ehrlich sind, hat Rochus das Heimeli ziemlich im Griff, und das aus der Ferne. Eigentlich ein bisschen unheimlich, dass uns jemand aus der Distanz so quasi steuern kann: Netz, Telefon, Webcam, Kreditkartengerät… alles. Und trotzdem ist es ein sehr gutes Gefühl, einen Menschen wie Rochus zu haben, auf den man sich zu 100 Prozent verlassen kann und der über Fähigkeiten verfügt, die für mich fast an Magie grenzen.
Danke Rochus, für all deine Dienste und dafür, dass du so viel im Griff hast, von dem wir keine Ahnung haben.
Bild: Nina Mattli
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